Die Hoffnung ist das Licht im Dunkeln
Von Martina Holzer Geromin
Die Hoffnung ist das Federding, das in der Seel’ sich birgt und Weisen ohne Worte singt und niemals müde wird... (Emily Dickinson)
Ein Jahr ist vergangen, seitdem sie ihr Glück wiedergefunden zu haben schien. Nach einer jahrelangen Beziehung, die völlig unerwartet in Brüche ging, lernte sie einen Menschen kennen, der wieder Licht in ihren Alltag brachte. Das Leben präsentierte sich ihr wieder von seiner schönsten Seite. Alles schien überwunden zu sein. Die Liebe zu diesem Menschen wuchs, und die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft nahm feste Konturen an. Dieses Jahr des Glücks schien sie aber wieder in ihre alten Muster zurückfallen zu lassen: Muster, sich selbst ganz zu vernachlässigen, um dem neuen Partner zu gefallen. Ihm jeden Wunsch von den Augen zu lesen, auf eigene Interessen zu verzichten, die eigenen Probleme des Alltags zu verschweigen…, um die gemeinsame Zeit in Watte zu tauchen. Eine Realität aufzubauen, die nicht ganz ihrem Wesen entsprach und vielleicht auch gar nicht jener ihres neuen Partners.
Um so schockierter war sie, als er sich nach einem Jahr des scheinbaren Glücks zurückzog, sich in einem Moment von ihr trennte, in dem sie sich vielmehr damit auseinandersetzte, wie sie am besten ihre gemeinsame Zukunft gestalten könnten. Eine erneute Schlappe, ein erneuter Schlag ins Gesicht. Wieder wurde sie aus ihren Bahnen geworfen, und wieder musste sie die Tiefen ihrer Emotionen erfahren.
So schlimm diese Erfahrungen auch sein mögen und so sehr man darüber reflektieren mag, warum einem Menschen immer wieder ähnliche Erfahrungen widerfahren, so schwelt in ihr doch die Hoffnung, eine Hoffnung, die selbst in den trübsten Zeiten immer wieder aufflackert, wenn man von Menschen umgeben ist, die einem zur Seite stehen.
Sich bei Freunden oder Familienmitgliedern ausweinen zu können, sich aufgefangen zu fühlen in einem sozialen Netzwerk, das einem zur Seite steht, hilft einem Menschen auch in den dunkelsten Zeiten langsam Energie zu sammeln, sich neu aufzurichten, um behutsam und geduldig einen Neuanfang zu wagen.
Der Wert von sozialen Beziehungen ist durch unterschiedlichste Untersuchungen untermauert worden. Besonders in Krisenzeiten besinnt sich der Mensch auf die Kraft, die aus der Gemeinschaft hervorgeht. Die Stärke, die sich aus dem Zusammenhalt ergibt, hilft selbst über die schwersten Verluste hinweg.
Natürlich muss ein Mensch dazu bereit sein, die Verbundenheit mit dem anderen zu spüren. Wenn er sich ganz in sich zurückzieht, dann hat die bloße Präsenz anderer Menschen keine Wirkung, denn er bleibt alleine und fühlt sich einsam. Aus der Perspektive einer verbitterten Einsamkeit entstehen vielmehr Gefühle der Wut, des Hasses, der Rache...
In einer Atmosphäre der Gemeinschaft hingegen, in der sich ein Mensch trotz seiner tiefen Wunden aufgehoben fühlt, schöpft er Kraft. Dadurch wird seine Hoffnung gestärkt, nicht alleine zu sein und von der Energie der anderen getragen zu werden. Diese Energie zapft schließlich auch seine eigene Lebensenergie an, so dass er sachte dazu bereit wird, sich Schritt für Schritt aus dem dunklen Tal zu verabschieden, um eine neue Richtung einzuschlagen.
Die Verbundenheit zu anderen hilft, diese Talfahrten mit Hoffnung auszustatten, der menschlichen Seele Wege aufzuzeigen, wo es scheinbar keinen Weg mehr gibt, die Seele mit Kraft und mit Vertrauen zu belegen, nach Auswegen zu suchen und Lösungen zu finden.
Unterschiedlichste Studien zu diesem Thema haben ergeben, dass beispielsweise Studenten, die vor anstrengenden Prüfungssessionen in Gruppen lernen und sich regelmäßig mit ihren Studienkollegen austauschen, sich mit ihnen treffen und sich somit mit den anderen verbunden fühlen, in Prüfungssituationen einen positiven Ausblick bewahren und entsprechend bessere Ergebnisse einfahren.
Eine amerikanische Studie an 212 Angestellten konnte feststellen, dass der zwischenmenschliche Austausch auf dem Arbeitsplatz mit einem besseren individuellen Lernverhalten einhergeht. Das bedeutet, dass ein Mitarbeiter effizienter arbeitet und seine Fähigkeiten weiter ausbaut, je mehr er sich mit seinen Arbeitskollegen als Team verbunden fühlt.
Große Krisenzeiten werden dann nicht mehr nur als große Last empfunden, sondern als Möglichkeit, mit vereinten Kräften nach neuen Lösungen zu suchen. Die gegenseitige Unterstützung stärkt die Zuversicht, gemeinsam einen Ausweg zu finden. Selbst Thomas Edison war kein Einzelkämpfer, sondern er holte seine Kreativität aus dem Team, das aus 30 Assistenten bestand. Nach jedem so genannten Fehlschlag baute sich er und sein Team wieder auf, indem sie mit neuer, geballter Energie nach Lösungen suchten. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit baute die Hoffnung auf einen Durchbruch aus, bis das Ziel erreicht wurde.
Shawn Achor, ein wichtiger Vertreter der „Positiven Psychologie“ und Harvard-Professor, sieht in den sozialen Beziehungen und im ‚Wirgefühl’ den Schlüssel für eine glückliche Gesellschaft, eine Gesellschaft, die auf sich zählen kann, eine Gesellschaft, die in der gegenseitigen Unterstützung Hoffnung schöpft und vermehrt zueinanderfindet. Sämtliche seiner Studien haben bewiesen, dass durch vermehrten Zusammenhalt und durch eine Kultur der Zusammenarbeit Mitarbeiter eine bedeutend größere Bereitschaft zu Tage legen, sich für eine Sache einzusetzen, mehr Energie haben und ausdauernder und geduldiger an der Zielverfolgung arbeiten.
Die Hoffnung, die der Seele Flügel verleiht, die dem Menschen in den ausweglosesten Situationen einen Weg aufweist, scheint in der Tat über die Verbindung zum Nächsten gestärkt zu werden. Nicht alleine gelassen zu sein, sich bei jemandem anlehnen zu dürfen, sich in einer Welt der Individualisten geborgen zu fühlen, scheint Hoffnung und Zuversicht zu verleihen. Das tut gut und gibt Kraft.
Die junge Frau nimmt die Hilfe ihrer Freunde und Bekannten an; noch ist die Herausforderung sehr groß, da der Schmerz zu tief sitzt. Sie ist aber offen, offen für die Unterstützung, die ihr widerfährt, eine Unterstützung, die ihr Hoffnung gibt, um langsam wieder Vertrauen in ihre Zukunft aufzubauen. Sie weiß, dass sie sich auf ihre Mitmenschen verlassen kann, und gleichzeitig beginnt sie zu erkennen, dass es Sinn macht, an ihren alten Mustern, sich selbst zugunsten eines Partners zu vernachlässigen, zu arbeiten.
Martina Holzer Geromin ist Coach und Erziehungsberaterin, Mitbegründerin von www.trans4mind.de und bietet neben Einzelberatungen auch sämtliche Workshops an (siehe www.be-you-unique.com).
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