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Der EPF (Eysencks Persönlichkeitsfragebogen)

Die Theorie von Prof. Eysenck baut primär auf der Genetik und der Physiologie auf. Obwohl er ein Verhaltensforscher war, der die Wichtigkeit der angelernten Verhaltensweisen erkannte, geht er davon aus, dass die Persönlichkeitsunterschiede auf das genetische Erbe zurückzuführen seien. Sein Hauptinteresse galt daher den menschlichen Temperamenten.

Das Temperament unserer Persönlichkeit ist angeboren und hat daher genetische Ursachen. Das bedeutet nicht, dass wir auch Persönlichkeitseigenschaften haben, die erlernt werden können. Eysenck konzentrierte sich allerdings in seinen Untersuchungen vor allen Dingen dem Aspekt des „Angeborenen“.

Zu Beginn sprach Eysenck von zwei konzeptionellen, Biologie bezogenen, Persönlichkeiten:

  • Extraversion/Introversion
    Extraversion wird charakterisiert als aufgeschlossen, kommunikativ, gut gelaunt und von externen Stimuli abhängig. Nach Eysencks Extraversionstheorie gibt es einen optimalen kortikalen Erregungszustand und die Leistung verschlechtert sich, wenn sich jemand entweder über oder unter diesem optimalen Zustand befindet. Die Erregung kann durch die Hautleitfähigkeit, die Gehirnwellen oder durch Schweißproduktion gemessen werden. Bei sehr hohen oder sehr niedrigen Erregungsmessungen ist die Leistung niedrig, aber bei optimalen Werten wird auch die Leistung maximiert. Extrovertierte sind laut Eysenck in der Regel wenig erregt und leicht gelangweilt und brauchen daher häufig externe Anreize, um ihre Leistung zu steigern. Introvertierte hingegen sind üblicherweise übererregt und nervös und neigen daher dazu, Ruhe zu suchen, um sie auf ein optimales Leistungsniveau zu bringen.

    Dieser Charakterzug entspricht der Kategorie A (Extraversion/Introversion) des
    'Persönlichkeitsfragesbogens' online.

  • Neurotismus/Stabilität
    Neurotismus und Emotionalität sind Ausdruck von negativen Gemütsstimmungen, wie Depressionen und Ängsten. Der Neurotismus wird laut Eysenck durch die Aktivierung des sympathischen Nervensystems und des Zentralgehirns verursacht. Das ist der Gehirnbereich, der für Kampf-Flucht-Reaktionen in Notfällen verantwortlich schreibt. Die Aktivierung kann durch Herzanschläge, Blutdruck, kalten Händen, Schweißausbrüchen und Muskelanspannungen (besonders in der Gesichtsfront) gemessen werden. Neurotische Personen, die eine niedrige Aktivierung aufweisen, sind nicht in der Lage, ihre emotionalen Reaktionen zu kontrollieren und reagieren häufig mit Kampf-Flucht-Verhalten bei geringstem Stressaufkommen. Sie sind schnell nervös und niedergeschlagen. Emotional stabile Personen, die eine starke Aktivierung aufweisen, können sich emotional gut unter Kontrolle halten und erleben negative Stresssituationen nur in Ausnahmesituationen. Sie sind unter Druck ruhig und gesammelt.

    Dieser Charakterzug entspricht der Kategorie B(Emotionale Stabilität) des Fragebogens.

Diese zwei bisher besprochenen Dimensionen definieren unseren Quadranten. Sie bestehen aus:

  • stabil extravertiert (sanguinische Qualitäten wie - aufgeschlossen, gesprächig, reaktionsfähig, gelassen, lebhaft, sorglos, Führungsqualitäten)
  • unstabil extravertiert (cholerische Qualitäten wie – zickig, ruhelos, aufgeregt, wechselhaft, impulsiv, unverantwortlich)
  • stabil introvertiert (phlegmatische Qualitäten wie – ruhig, ausgeglichen, zuverlässig, kontrolliert, friedfertig, aufmerksam, sorgfältig, passiv)
  • unstabil introvertiert (melancholische Qualitäten wie – ruhig, reserviert, pessimistisch, besonnen, starr, ängstlich, launisch).

Weitere Studien haben gezeigt, dass eine dritte Kategorie benötigt wurde:

  • Psychotismus/Sozialisation
    Unter Psychotismus versteht man nicht nur psychotisches Verhalten, sondern auch aggressives Verhalten. Psychotisches Verhalten ist mit folgenden Charakteristiken ausgestattet: Härte, Non-Konformität, Nichtbeachtung, Rücksichtslosigkeit, Feindseligkeit, Zorn und Impulsivität. Eysenck sieht im Testosteron die biologische Ursache dieser Charakteristika. Mehr Testosteron größeres psychotisches Verhalten.

    Dieser Charakterzug entspricht der Kategorie C (Beherrschung/Teilnahme) des Fragebogens.

Die folgende Darstellung beschreibt die Charakterzüge, die mit den drei Temperamenten von Eysencks Persönlichkeitsmodell in Verbindung gebracht werden:

Psychoticismus Extraversion Neurotismus
aggressiv kontaktfreudig ängstlich
durchsetzungsfähig verantwortungslos depressiv
egozentrisch dominant Schuldgefühle
mitleidlos reflexionslos geringes Selbstwertgefühl
manipulierend sensationslüstern angespannt
zielorientiert impulsiv launisch
dogmatisch risikofreudig hypochondrisch
maskulin ausdrucksfähig unselbständig
hart aktiv besessen

 
Die anderen Kategorien, die im 'Fragebogen' enthalten sind, sind nicht von so großer Bedeutung. Trotzdem fand es Eysenck wichtig, auch die anderen Charakterzüge zu berücksichtigen, weil sie auch unser Leben bestimmen.

Biographie
Hans Eysenck wurde am 4. März 1916 in Deutschland geboren. Seine Eltern waren Schauspieler, die sich scheiden ließen, als er erst zwei Jahre alt war, so dass Hans von seiner Großmutter groß gezogen wurde. Als er 18 wurde und die Nazis an die Macht kamen, verließ er das Haus seiner Großmutter.  Nachdem er mit den Juden sympathisierte, war sein Leben immer in Gefahr.

In England führte er seine Ausbildung fort und promovierte 1940 an der „University of London“ zum Doktor der Psychologie. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er als Psychologe in einem Notspital, an dem er auch seine Forschung über die Verlässlichkeit von psychiatrischen Diagnosen aufnahm. Die Ergebnisse seiner Studien führten zu einem lebenslangen Widerstreit mit der gängigen klinischen Psychologie.

Nach dem Krieg unterrichtete er an der “University of London” und führte auch das Psychologie-Department des Instituts der Psychiatrie an. Er hat 75 Bücher und etwa 700 Artikel verfasst, die ihn zu einem der produktivsten Autoren im Bereich der Psycholgie machten. Eysenck ging 1983 in Pension und schrieb bis zu seinem Tod, am 4. September 1997, weiter.

Die Theorie von Eysenck hat nach wie vor ihren Einfluss; vor seinem Tod war er der meist-zitierte Psychologe zu Lebzeiten und er ist nach wie vor der dritt-meist-zitierte Psychologe aller Zeiten, nach Freud und Piaget.